DGfZP-Die Gesellschaft
Aktivitaeten
Das Zeitpolitische Magazin
Download
Zeitpolitik International
Zeitpolitisches Prisma
home
Impressum
 
  Das Zeitpolitische Prisma
 

Mit dem »Zeitpolitischen Prisma« möchten wir die Internetseite der DGfZP aktueller gestalten. Hier werden kleine Texte zum Thema Zeit veröffentlicht, die aktuelle diskussionswürdige Inhalte in den Fokus nehmen und zeitpolitisch reflektieren.
Wenn Sie selbst auf zeitpolitisch Interessantes stoßen, freuen wir uns auch über Ihre Texte, die Sie gern an die E-Mail Adresse elke-grosser@t-online.de senden können.
Das Redaktionsteam des Zeitpolitischen Prismas: Elke Großer und Jürgen Rinderspacher

  Weitere Beiträge: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8]
 
Der Winter – ein „Zeitdieb“!? 05. 02. 2010
 

Foto Elke GrosserDer diesjährige Winter bietet alles auf, was einen Winter in seiner Vielfalt ausmacht – Schnee, Eis, Glätte, klirrende Kälte und das schon seit Wochen. Ja, er nimmt sich geradezu das Recht heraus, eine richtige Winterzeit zu sein, die für unsere gemäßigte Klimazone zwar typisch, uns aber seit Jahren in diesem Ausmaß nicht mehr vertraut ist.

Der Winter stört Zeitpläne überall, wo er nur kann. Auf allen Verkehrswegen gibt es Beeinträchtigungen: Verspätungen, Wartezeiten und Ausfälle. So scheint er sich als ein „Zeitdieb“ oder „Störenfried“ im permanenten Betriebsablauf unserer beschleunigten Gesellschaft herauszukristallisieren. „Zeitdiebe“ oder „Zeitfallen“ sind unliebsame Wartezeiten, Störungen oder Unterbrechungen in der Zeitplanung und sie stehlen die wertvolle Zeit. Das jedenfalls behaupten Verfechter gängiger Zeitmanagementmethoden. Zeitmanagementexperten raten dem Einzelnen diese „Zeitfresser“ aufzuspüren und weitgehend zu reduzieren.

Spürt man dem Winter und seine zeitlichen Auswirkungen im Alltäglichen einmal genauer nach, beeinträchtigt er vor allem die hochmobile Non-Stop-Leistungs- und Konsumgesellschaft - dicht vertaktet, auf hohe Geschwindigkeiten, ständige Mobilität und permanenten Leistungszwang getrimmt. Durch Schnee, Glätte und Kälte werden effiziente, rationell und logistisch ausgeklügelte Terminkalender, Zeitplanungen und Zeitplansysteme durcheinander gebracht. Fahrpläne von Bus und Bahn können nicht eingehalten werden. Es kommt zu Verzögerungen bzw. zeitweise, ja tagelang, zu Ausfällen im öffentlichen Personenverkehr. Fahrgäste stehen frierend und wartend auf Bahnhöfen, müssen teils auf andere Zugverbindungen ausweichen oder ihre Fahrt ganz aufgeben. Auf glatten oder schneeverwehten Straßen und Autobahnen legen Staus und Unfälle den Verkehr stundenlang völlig lahm. Ebenfalls im Flugverkehr gibt es Behinderungen und Ausfälle von Flügen. Und selbst ein Fußgänger muss sich langsamer und vorsichtiger fortbewegen, weil glatte und vereiste Fußwege in den Städten die Gefahr des Ausrutschens erhöhen. Die Zahl der Bein- und Armbrüche steigt in dieser Zeit an und so mancher Fußgänger muss deshalb eine Ruhepause im Krankenhaus einlegen. Vor allem im Osten Deutschlands wurde auch der Binnenschiffsverkehr wegen der lang anhaltenden Kälte und des Eises gesperrt und Schiffe liegen teils im Eis fest.

Rosa (2005) benennt solche Phänomene der Verlangsamung bzw. Stillstandes als „dysfunktionale Nebenfolgen“, die in beschleunigten Gesellschaften in zunehmend massiveren Maße auftreten. Statt Bewegung und Beschleunigung treten an der „rückständigen (Natur-)Schnittstelle“ Winter reale Verlangsamungen, Verzögerungen und Stillstände auf, weil dieser in seiner natürlichen Form nicht zeitlich mit einer schnellen Lebensweise synchronisiert. Momente, Stunden oder Tage des Nicht-Funktionierens ziehen ökonomische Schäden in Millionenhöhe nach sich. Nach Schätzungen der DIHK gehen der Wirtschaft bis Anfang Februar durch den harten Winter bereits ca. zwei Milliarden Euro verloren.

Der Winter „stört“ nicht nur im Alltäglichen, sondern hat ebenso Einfluss auf die Lebenszeitgestaltung bzw. Lebenszeit. Beispielsweise ist eine erhöhte Arbeitslosigkeit während der Wintermonate eine ‚normale‘ jährlich wiederkehrende Entwicklung, die im Januar gewöhnlich ihren höchsten Anstieg erreicht, wie Arbeitsmarktdaten zeigen und um so höher ausfällt, je kälter der Winter ist und je länger er dauert. Dies gilt insbesondere für witterungsbedingte Arbeiten, wie zum Beispiel im Baugewerbe. Der Winter bringt in diesen Fällen für den Einzelnen eine berufs- und witterungsbedingte „Zwangspause“. Außerdem verzeichnen Demographen jahreszeitlich bedingte Schwankungen für alle demografischen Ereignisse. So stellten bereits die Klassiker der Demografie für die Mortalität eine teilweise extreme Übersterblichkeit im Winter fest. Auch heute existiert eine höhere Sterblichkeit im Winter, jedoch ist die Stärke des Einflusses der Saisonalität deutlich geringer geworden (vgl. Dinkel, Kohls).

Hat man den Winter in seinen zeitlichen Auswirkungen einmal genauer untersucht, heißt es nun diesen „Zeitdieb“ weitestgehend, entsprechend dem Rat der Zeitmanagementexperten, zu reduzieren. Genau dieses Experiment der Menschheit läuft seit dem Beginn der „Zeit- ist Uhren-Rechnung“ und „Zeit-ist-Geld-Rechnung“. Die dunklen Tage werden mit künstlichem Licht verlängert. Winterruhe oder Winterpausen, wie es sie in landwirtschaftlich geprägten Gesellschaften gab, gehören der Vergangenheit an. Der Mensch geht auch im Winter seinen Beschäftigungen wie gehabt und unbeirrt nach. Behindert Glätte, Kälte oder Schnee den Verkehr, arbeitet der Winterdienst ununterbrochen, um einen Rund-um-die-Uhr- Ablauf der Leistungsgesellschaft zu gewähren bzw. wieder herzustellen. Und meist dauert es nicht lange und der Verkehr rollt erneut nonstop weiter. In der Fußballbundesliga wurde übrigens für die Saison 2009/2010 die Winterpause um dreieinhalb Wochen reduziert, um mehr Spieltermine zu haben. Es gibt ja beheizbare Spielflächen.

Ist der Winter wirklich eine „Zeitfalle“? Als „Zeitdieb“ stellt sich der Winter nur in diesem linearen und ökonomischen Verständnis von Zeit dar. Der Winter, eingebunden in den natürlichen Rhythmus der Jahreszeiten, ist kein Störenfried seiner zyklischen Natur-Zeit. Bei Pflanzen und allen Lebewesen kann eine Reaktion auf den winterlichen Jahreszeitenwechsel mit kürzeren Tagen und abnehmenden Temperaturen beobachtet werden. Zugvögel, wie beispielsweise Falken, Schwalben, Rotkehlchen oder Finken, u.a. entfliehen in südliche und wärmere Gefilde. Manche Tiere, wie Kröten, Mäuse oder Eichhörnchen verfallen in einen Erstarrungszustand oder oberflächlichen Winterschlaf. Schlangen und Eidechsen halten einen Schlaf-Ruhe-Zustand und einige Tiere entwickelten als Anpassung eine Winter-Schlaf-Reaktion, in dem z.B. die Herzfrequenz gesenkt ist, der Sauerstoffverbrauch abfällt, die Gehirnzellen sich verlangsamen oder die Blutgefäße sich verengen. Auch beim Menschen zeigen sich mit physiologischen und psychologischen Veränderungen als natürliche Anpassung auf kürzere Tage und kalte Temperaturen winterschlafähnliche Reaktionen (vgl.Whybrow, Bahr). Untersuchungsreihen zeigen, dass der Mensch, mit individuellen Schwankungen, im Winter die Neigung zeigt, mehr zu schlafen, einen langsameren Aktivitätsrhythmus und eine schlechtere Stimmung hat, mehr Kohlenhydrate zu sich nimmt und an Gewicht zunimmt. Die Winterzeit ist eine natürliche Zeit der Ruhe und Entschleunigung. So beeinflusst im Übrigen frisch gefallener Schnee das Sehen und Hören, denn die Natur erscheint insgesamt ruhiger, wie Wissenschaftler festgestellt haben. Das Gehirn verbindet schon den Anblick von Schnee mit Stille und Ruhe. Schnee ist ein Material, das den Schall sehr gut absorbiert und unsere Umwelt merklich leiser erscheinen lässt. Und selbst das Bundesamt für Katastrophenschutz, der jüngst den Winter bei einem Sturmtief sogar zur Katastrophe erklärte, riet den Bürgern auf seiner Website, „möglichst zu Hause zu bleiben und das Winterwetter aus sicherer Distanz in Ruhe zu genießen“. Wahrgenommene winterliche Zeitkonflikte sind nicht dem Winter immanent, sondern haben ihre Ursachen in dem beschleunigten Lebensstil moderner Gesellschaften. Statt auf kürzere und kältere Tage mit Trägheit, Gelassenheit und Besinnung zu reagieren, werden diese natürlichen biologischen Reaktionen bekämpft, weil sie nicht mit dem Werte- und Normensystem einer Leistungs- und Beschleunigungsgesellschaft konform gehen, und das schnelle Leben wird wie gewöhnlich fortgeführt. Eine zeitpolitische Lösung wäre beispielsweise eine Diskussion um Zeitwohlstand. Zeitwohlstand als ein rechtes Maß an Zeit, bedeutet dann in diesem Zusammenhang eine gute Synchronisation von gesellschaftlichen Lebensweisen mit natürlichen winterlichen „Zeitplänen“, mit einem Recht auf Entschleunigung, Ruhe und Besinnung in der kalten und dunklen Jahreszeit.


Literaturhinweise:
Dinkel R. H., Kohls M. (2006): Die „normale" Saisonalität und die Auswirkung kurzzeitiger Extremwerte der Mortalität in Deutschland (begutachteter Beitrag), Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 31, 2/2006, S. 163-186
Hirschfeld, C.C.L. (1769): Der Winter, Leipzig
Rinderspacher J. P., Hermann-Stojanow I., Pfahl S., Reuyss S. (2009): Zeiten der Pflege, Münster
Rosa H. (2005): Beschleunigung, Frankfurt/M.
Whybrow P., Bahr R. (1992): Winterschlaf, Reinbek bei Hamburg

Elke Großer

zum Seitenanfang
 
Die Bibliothek bei Nacht 15. 12. 2009
 

Im gleichnamigen Buch beschreibt Alberto Manguel, wie oft er des Nachts, wie es auch Machiavelli gern tat, inmitten seiner Bücher sitzt und zu dieser Zeit das Lesen genießt, »in der dichten Stille, wenn die Lichtkegel die Regale meiner Bibliothek spalten.« Manguel reflektiert jedoch ebenso, dass es dabei unterschiedliche Vorlieben gibt und »die nächtliche Bibliothek nicht nach jedermanns Geschmack« ist.

Seit einigen Jahren können Leser zunehmend öffentliche Bibliotheken nachts nutzen und vor allem Universitätsbibliotheken öffnen sich immer öfter ihren Lesern 24 Stunden nonstop. Inzwischen findet man sie in ganz Deutschland.

Die Universität Freiburg heißt beispielsweise die Besucher auf ihrer Internetpräsenz herzlich willkommen in ihrer »24-Stunden Bibliothek«, denn in ihr kann man rund um die Uhr arbeiten, lernen und forschen. Eine neue »24/7-Bibliothek« – die Campusbibliothek in Leipzig am Augustaplatz – hat seit Herbst dieses Jahres geöffnet. Diese Bibliothek wird nie wieder schließen, außer um die Weihnachtszeit und über den Jahreswechsel 2009.

Damit entsprechen diese Bibliotheken eben nicht dem Negativmodell einer öffentlichen Bibliothek, welche Eco in seinem Essay »Die Bibliothek« in 19 Punkten beschreibt. Der 14. Punkt betrifft nämlich die Öffnungszeiten einer Bibliothek: »Die Öffnungszeiten müssen genau mit den Arbeitszeiten zusammenfallen, also vorsorglich mit den Gewerkschaften abgestimmt werden: totale Schließung an allen Samstagen, Sonntagen, abends, während der Mittagspausen.«

Allerdings reiht sich an dieser Stelle, wie ganz aktuell in der Vorweihnachtszeit, die öffentliche Diskussion um Öffnungs- und Arbeitszeiten ein. »24-Stunden-Bibliotheken« umgehen diese Diskussion sehr geschickt: Einmal mit vor allem studentischen Hilfskräften, die vorwiegend abends oder am Wochenende tätig sind und zweitens des Nachts durch Arbeitskräfte von Wachdiensten. Arbeitszeiten von Wachdiensten liegen überwiegend in der Nacht, d. h. Arbeitskräfte von Wachdiensten sind oft in Dauernachtschichten tätig. Hierdurch haben Gewerkschaften kaum ein allgemein erhörtes Mitspracherecht mehr und ständige Nachtarbeitszeiten finden wenig Eingang in die öffentliche Diskussion bzw. Kritik, obwohl die schädlichen Auswirkungen von Nachtarbeit längst wissenschaftlich untersucht und bekannt sind.

Nimmt man andersherum die Perspektive von Studenten und anderen Benutzern von Bibliotheken ein, so können diese ganz nach ihren zeitlichen Bedürfnissen diese Bibliotheken nutzen, im Sinne eines Rechtes auf eigene Vorlieben bezüglich Lern- bzw. Lesezeiten. Scheinen die Rund-um-die-Uhr-Öffnungszeiten also die Lösung von Zeitproblemen und ein großer Fortschritt für ihre Benutzer zu sein, denn Studenten, so wird argumentiert, wünschten sich immer öfter Öffnungszeiten von Bibliotheken rund um die Uhr. Schaut man sich in Tages- bzw. Wochenzeitungen oder im Internet verschiedene Artikel von Selbstversuchen entweder eines 24-Stunden-Lernmarathons oder zum nächtlichen Lernen in der Bibliothek einmal genauer an, lassen sich sowohl Vorteile als auch Nachteile ausmachen: Manche Leser bzw. Nutzer mögen nachts die Ruhe und das ungestörte Arbeiten. Freie Plätze am PC bzw. Zugänge zum Internet gibt es zu dieser Zeit immer und man hat Zugriff zu allen Büchern, die tagsüber von anderen Nutzern beansprucht werden und damit nicht immer zur Verfügung stehen. Als Nachteil wird die nächtliche Müdigkeit bis zum kurzen Einnicken bzw. Einschlafen, die man mit Kaffee oder sonstigen »Wachmachern« zu überwinden versucht, beschrieben. Ab bestimmten Zeitpunkten ist kaum konzentriertes und effizientes Lernen mehr möglich. Die hier aufgezählten Nachteile decken sich mit den Charakteristika der inneren Uhren des Menschen und chronobiologischen Erkenntnissen. Der Mensch ist biologisch gesehen ein tagaktiver Organismus mit individuellen zeitlichen Streuungen. Die menschliche körperliche und geistige Leistungskurve erreicht, mit individuellen Abweichungen ab ca 0.00 bis 4.00 Uhr ihren Tiefpunkt. In dieser Zeit sinkt der Blutdruck, der Atem wird flacher, man kann schlechter sehen und sich schlecht konzentrieren. Die Fehlerquote steigt. Das gilt für die nachtslernenden Studenten ebenso wie für die »Nachtwärter« der Wachdienste. Ein Lebensstil auf Dauer gegen den eigenen inneren Biorhythmus wie auch den sozialen Rhythmus führt zu gesundheitlichen Beschwerden, Erkrankungen, sowie Problemen im persönlichen und familiären Umfeld.

Non-Stop-Öffnungszeiten von Bibliotheken sind zugleich Teil eines Grundsatzdilemmas, in dem sich Bibliotheken in einer sich fortschreitenden digitalisierten (Literatur-)Welt befinden. Moderne Bibliotheken sind zu »Elementen« des globalen virtuellen Datennetzes geworden, das weltweit vierundzwanzig Stunden täglich und sieben Tage wöchentlich seinen Nutzern zur Verfügung steht. Sie sind einzelne »Knoten« des virtuellen (Bibliothek-)Netzes, die einerseits Zugänge zum Netz bereitstellen und andererseits digitale Informationen verschiedenster Art zur Verfügung stellen. Virtuelle Welten stellen Daten in einem unbegrenzten Umfang allzeit schnell, dynamisch und flexibel bereit, in einer Zeit in der das Wissen einem exponentiellen Wachstum unterliegt. Diese unendlichen virtuellen Welten konkurrieren mit sinnlich erfahrbaren, eher trägen und begrenzten »Körpern des Wissens«, zudem das materiell erfahrbare Buch genauso gehört wie Bibliotheksräume mit ihren Regalen voll mit Literatur, die nicht mehr über die geeigneten Kapazitäten und Möglichkeiten für diese Explosion von Wissen verfügen. Über das globale Datennetz kann sich jedermann jederzeit an mittlerweile (fast) jedem Ort (zunehmend) jedwede Informationen beschaffen, die er gerade benötigt. Allerdings mit ihrer Verschmelzung mit dem Computer und dem World Wide Web gibt die Bibliothek jedoch genau das auf, »wovon sie ausgeht und worauf sie beruht: den “Körper des Wissens“.« (Jochum, 2010) Sie verschwindet in den virtuellen Räumen und Zeiten der Bedeutungslosigkeit und der Oberflächlichkeit dynamischer Informationen bzw. Wissen. »24/7-Öffnungszeiten« als Zweck der Verbesserung des Services gegenüber den Nutzern stellen paradoxerweise Problemlösung wie Problemherstellung für die Bibliothek als Solche in einer digitalen virtualisierten Welt dar.

Am Ende hören sich dann Manguels Worte nicht mehr so romantisch an, wenn es sich nicht um die eigene Bibliothek handelt und um in Muße verbrachte Lesestunden ganz nach dem eigenen zeitlichen und literarischen Geschmack. Die Lichtkegel, die Manguel zwischen den Regalen im Inneren seiner Bibliothek beschreibt, scheinen nicht in den Bibliotheksräumen selbst, denn hier ist es taghell, sondern wirken eher gespenstisch nach Außen in die Nacht hinein. Auch Eco scheint mit einer idealen Bibliothek mit idealen Öffnungszeiten ebenfalls nicht ganz recht zu behalten, es sei denn, es ändern sich die temporalen Rahmenbedingungen. So bräuchten Studenten bzw. Studentinnen mehr zeitlichen »Spiel«-Raum zum eigenen selbstverantwortlichen Studieren, statt voll gestopfte verschulte Studienpläne, in denen oftmals nur die Nacht in der Bibliothek als zeitlicher freier Rahmen bleibt. Öffnungszeiten bzw. Arbeitszeiten sollten sich an Richtlinien für gute Arbeitszeiten halten und zwar nicht nur für Bibliotheksmitarbeiter, sondern auch für die externen Dienste, deren man sich bedient, um nicht selbst in die öffentliche Diskussion zu geraten. Um divergierenden Präferenzen, im Sinne eines Rechtes eigener Zeiten sowohl für Bibliotheken als »Körper des Wissens«, ihren Nutzern als auch Bibliotheksmitarbeitern wie Hilfskräften und Wachdiensten in einer virtualisierten Welt gerecht zu werden, bedarf es weiterer kritischer zeitpolitischer Diskussionen.


Literaturhinweise:
Eco, Umberto (1987): Die Bibliothek, Wien
Jochum, Uwe (2010): Geschichte der abendländischen Bibliotheken, Darmstadt
Klug, Christoph et al. (2008): Wer schlecht schläft stirbt früher, Düsseldorf
Manguel, Alberto (2007): Die Bibliothek bei Nacht, Frankfurt/ Main
Zulley Jürgen, Knab Barbara (2000): Unsere Innere Uhr, Freiburg, Basel, Wien

Elke Großer

zum Seitenanfang
 
Die Angst des Tormanns vor dem Chronometer 27. 11. 2009
 

Man muss kein Fußballfan sein, um das öffentliche Entsetzen nachvollziehen zu können, als die Nachricht vom Tode Robert Enkes sich verbreitete. Vor allem, als die Hintergründe bekannt wurden – die Neigung zur Depression, der Tod der Tochter und weitere tragische Ereignisse – wuchs die Betroffenheit. Immer deutlicher, wurde aber auch der Einfluss eines problematischen Leistungssystems, mit Hilfe dessen unsere Bundesligamannschaften, und nicht nur die, zu genau der Höchstform gebracht werden, deretwegen Millionen sich wöchentlich für den Sport begeistern und auch bereit sind, viel Geld für Fußballkarten, Pay-TV oder für den großen Flachbildschirm auf den Tisch zu legen.

Das „schöne Spiel“ zeichnet sich nicht nur durch gelungene Pässe und natürlich viele und spannend herausgespielte Tore aus, es ist auch schnell, fordert Spieler mit hoher Ausdauer und bewundernswertem Reaktionsvermögen, ebenso auch Härte und Entschlossenheit. Und das Spiel ist immer woanders: Nicht nur ProfispielerInnen müssen daher zugleich zu Hause, bei ihrem Verein, und immer unterwegs sein, nicht selten wenn der Nationaltrainer ihres Heimatlandes ruft, zum Beispiel aus der Türkei. Und weil das Publikum und seine Beigeisterung keine Grenzen kennen, aber auch weil den Profivereinen damit zusätzliches Geld winkt (sofern sie erfolgreich sind), sind in den vergangenen Dekaden immer neue nationale und internationale Turniere kreiert worden. Die Einsatzhäufigkeit der Spieler hat sich somit gewaltig erhöht und damit die Anlässe, vor den Augen einer kritischen Öffentlichkeit glänzen zu können – oder zu versagen.

Was als Leistung und Erfolg gilt oder nicht, bemisst sich, weniger beim Publikum als vielmehr in den Augen der Beobachtenden und Sportfunktionäre und der medialen Berichterstattung, schon lange nicht mehr nur am Endstand des Spiels. Das Potential einer Mannschaft beziehungsweise eines Spielers rechnet sich zusammen aus der Zahl der Schüsse auf’s Tor, der Ballkontakte, der gewonnenen Zweikämpfe oder des Laufpensums und vielem anderen mehr. Die Beobachtung und spätere Auswertung eines Spiels am Bildschirm beinhaltet, Fehler akribisch aufzulisten und anschließend zu diskutieren mit dem Ziel, den persönlichen Leistungsstand zu verbessern. Solche gebräuchlichen Vermessungstechniken sind die Konsequenz einer zunehmenden Verwissenschaftlichung des Sports – und darin seiner Taylorisierung, wie sie an unseren Sporthochschulen gelehrt wird. Es sind nicht nur die präzisen Messtechniken, die heute zur Verfügung stehen, sondern vor allem die Philosophie der Vermesser, die LeistungssportlerInnen unweigerlich in das Netz eines permanenten Monitorings treibt, natürlich nicht nur im Fußball.

Sehr wenig hört man dagegen von einer Sportethik, die sich Gedanken darüber machte, was die permanente Selbst- und Fremdbeobachtung für die Betroffenen in ihrem Alltag und für ihr persönliches Befinden bedeutet, wie weit die Zurichtung der Sporttreibenden auf die immer höheren Anforderungen noch gehen darf. Ein zentrales Problem dabei: Der Leistungssport, ob Fußball, Schwimmen oder Autorennen, bewegt sich, was die Fortentwicklung seiner Maßstäbe angeht, nach den Regeln des Marktes. Denn derjenige, der schneller ist als ein anderer, trägt nicht nur den ganz persönlichen Sieg davon, sondern wirkt zugleich auch systemisch, indem er die Norm nach oben schraubt. Dass es hier physiologische Grenzen gibt, ist in vielen Sportarten schon lange evident geworden. In letzter Zeit wurde dies besonders in den Schwimmwettkämpfen deutlich, wo spektakuläre High-Tec-Textilien neue Maßstäbe eröffneten und damit für heiße Diskussionen über ihre Zulässigkeit sorgten. Spätestens aber seit die „äußeren“ körperlichen Trainingsmethoden immer öfter gewissermaßen durch eine „innere“, medikamentöse Zurichtung des Körpers und der Psyche ergänzt werden, lässt sich kaum noch streiten, dafür aber gut die Schuld auf den Einzelnen verlagern: Doping ist bei genauer Betrachtung nicht in erster Linie den einzelnen WettkämpferInnen anzulasten, als vielmehr dem System Leistungssport als Ganzem – jedenfalls so, wie es sich gegenwärtig präsentiert.

Es nutzt wahrscheinlich wenig, in diesem Zusammenhang daran zu erinnern, dass die Olympischen Spiele der Antike ganz ohne Uhren ausgekommen sind und keine Neigung zeigten, den Sport zu einer Zeit-Veranstaltung zu machen. Zugleich ist evident, dass jeder Wettbewerb – übrigens nicht nur jeder sportliche – fast immer auch objektiv eine zeitliche Komponente enthält: Eine gute Reaktionsgeschwindigkeit, wie beim Tormann, war von je her ein Vorteil im Wettstreit, beim Ringen ebenso wie beim Zweikampf mit dem Schwert in einer kriegerischen Auseinandersetzung. Und natürlich ging es auch beim antiken Wettlauf oder bei den Wagenrennen immer auch – aber nicht nur – um die ersten Plätze. Ein wahrer Kult der Zeit, der Kampf um Sekunden als zentraler Bestandteil des Sports, kam jedoch erst mit den Sportbewegungen der europäischen Moderne in diesen hinein, wobei bestimmte Fraktionen, etwa die Turnbewegung, durchaus andere Schwerpunkte setzte. Zugleich üben Rennwagen, Flugzeuge und andere Beschleunigungsapparaturen seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine Faszination aus, die die Verzeitlichung des Sports mit beeinflusst haben dürften. So haben die neuen Maßstäbe von Geschwindigkeit eine ganze Kunstrichtung beflügelt: Der Futurismus italienischer Prägung war mit seiner Verherrlichung einer technisch geprägten Zukunft und der Ablehnung alles Vergangenen an ästhetischer aber auch politischer Radikalität kaum zu überbieten, und Anfang des 20. Jahrhunderts wahrscheinlich nur das enfant terrible eines sich ausbreitenden Geschwindigkeitskults in fast allen Teilbereichen der sich modernisierenden europäischen Gesellschaften.

Der Fall Robert Enke wirft einen Schatten nicht nur auf die Tatsache, dass der Sport immer häufiger als Kampf im Hundertstelsekundenbereich stattfindet, sondern dass er – allerdings vermittelt hierüber – ein System der Leistungssteigerung hervorgebracht hat, das die Menschen, die sich darin täglich bewegen müssen aber auch wollen, höheren Risiken aussetzt, von der Logik dieses Systems zerstört zu werden. Das Dilemma: Es macht tatsächlich wenig Sinn, dem Leistungssport seinen Leistungsbezug, sozusagen sein Proprium nehmen zu wollen. Wenn dem jedoch nicht institutionell Einhalt geboten wird, bleiben nach darwinistischen Regeln nur die Überlebensfähigsten in diesem System zurück, die als Persönlichkeiten aber nicht mehr demjenigen Ideal entsprechen können, welches der Sport aus gutem Grund vor sich her trägt und das ihm nicht zuletzt die Legitimität verleiht, ein allwöchentliches mediales Großereignis sein zu dürfen.

Galt der Elfmeter in früheren Jahrzehnten noch als unhaltbar, wodurch sich die Versagensangst des Tormanns in Grenzen halten konnte, so werden wir in Endausscheidungen, aber auch sonst, immer häufiger Zeugen, dass die Verteidigung des Tores auch in dieser Lage nicht ausgeschlossen ist. Solche sich ständig steigernde Leistungsabforderungen sind nun aber schon längst kein Alleinstellungsmerkmal des Sports mehr. Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (vgl. das gleich lautende Theaterstück von P. Handke, 1970) versteht jeder/jede, der/die sich heute im Kampf ums Dasein und/oder um eine bessere Position in der Gesellschaft im täglichen Überlebenskampf behaupten muss: Kameras oder Datenerfassungssysteme beobachten die Kassiererin bei Lidl ebenso wie den Fernfahrer auf seiner Strecke, nichts und niemand bleibt unüberwacht, kein Auftrag unkontrolliert. Die Dokumentationspflichten im Krankenhaus und auf den Pflegestationen geben ebenso Aufschluss über den Leistungsstand der MitarbeiterInnen wie das monatliche Gespräch mit dem Chef der Bankfiliale über die Einhaltung von Zielvereinbarungen über abgeschlossene Bausparverträge. Angst vor dem Elfmeter – das ist auch die tägliche Praxis der Lehrkräfte, die unter erschwerten Bedingungen vor ihren Klassen (be-)stehen müssen, ebenso wie Schülerinnen und Schüler den Erwartungen des Systems Schule. Suizide sind – was viel zu wenig bekannt ist – nicht erst seit gestern Teil auch der schulischen Realität. Da nehmen sich die Berichte aus Frankreich über Angehörige des mittleren Managements der France Telecom und anderer Konzerne, die sich gehäuft das Leben nehmen, weil sie mit dem Umfang und der Art der ihnen gestellten Aufgaben infolge unerfüllbarer Erwartungen nicht mehr klarkommen, wie es in den Abschiedsbriefen heißt, nur wie die Spitze des Eisberges aus. Depression, die neben anderen Faktoren auch auf einem Kontrollverlust über die eigene Zeit beruht, wie erst kürzlich wieder in der einschlägigen Literatur festgestellt wurde, ist im Normalfall weniger spektakulär, aber dafür weit verbreitet.

Wer über ein bestimmtes Ausmaß hinaus die Kontrolle über die eigenen Maßstäbe, darunter wesentlich auch die des Umgangs mit der Zeit, verliert, setzt sich dem Risiko der Depression aus. Diese und schlimmere Folgen zu vermeiden ist zum einen Sache des Individuums, das ermutigt werden muss, seine eigenen Leistungsgrenzen zu erweitern aber gegebenenfalls auch zu akzeptieren und die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen – so wie Leistungssportler das immer wieder getan haben, wenn sie aus dem Leistungssport ausgestiegen sind. Es ist aber Sache der Gesellschaft, die Leistungsmaßstäbe so zu steuern, dass nicht das ganze Leben – im Sport und überall sonst – zu einer einzigen Hochleistungsveranstaltung wird. Zumindest müssen für jeden Menschen Sektoren und Zeit-Räume bewahrt werden, die es ihm ermöglichen, unter alternativen Leistungsanforderungen zu leben, und zwar ohne dadurch in eine gesellschaftliche Randgruppe abgedrängt zu werden. Eben diese Tendenz scheint sich aber im Augenblick eher fortzusetzen. Der Freitod eines hoch geschätzten Tormanns war nicht ganz umsonst, wenn die eigene Betroffenheit dies auch der trauernden Fangemeinde deutlich gemacht hat.


Literaturhinweise
Dröge, K. Marss, K., Menz, W. (Hg.) (2008): Rückkehr der Leistungsfrage. Leistung in Arbeit, Unternehmen und Gesellschaft. Berlin
Ehrenberg, A. (2004): Das erschöpfte Selbst. Depression und Gesellschaft in der Gegenwart, Frankfurt/Main, New York
Rinderspacher, J. P.. Herrmann-Stojanov, I. (2006): Schöne Zeiten. 45 Betrachtungen über den Umgang mit der Zeit, Bonn. Stichworte: Sport, Leistung und Erfolg, Stress
Spitzley, H. (1980): Wissenschaftliche Betriebsführung. REFA Methodenlehre und Neuorientierung der Arbeitswissenschaft. Köln
Zeiher, H., Schroeder, S. (Hg.): Schulzeiten, Lernzeiten, Lebenszeiten: Pädagogische Konsequenzen und zeitpolitische Perspektiven schulischer Zeitordnungen, Weinheim

Von Jürgen P. Rinderspacher

zum Seitenanfang
 
Nachtrag (aus der musikalischen Ecke) zum Thema „Eigene Zeit“ 26. 10. 2009
 

1971 schrieb der amerikanische Komponist Christian Wolff die Verbalpartitur Looking North:

Think of, imagine, devise a pulse, any you choose, of any design.
When you hear a sound or see a movement or smell a smell or feel any sensation not seeming to emanate from yourself, whose location in time you can sense, and its occurrence coincides, at some point, with your pulse, make your pulse evident: in some degree; for any duration.

Express all coincidences.
Express only every tenth one.
Forget your pulse and play as closely as you can to every second, fifth, twentieth and
single expression of pulse of another player (this can be repeated as in a loop).
Play a very long, generally low pitched and quiet melody without particular reference
to a pulse (once only).
At any point stop.
At any point stop, think of another pulse, and proceed as above

Or: think of, imagine, devise, any number of pulses… and so on, as above.

Ein recht schwieriges Stück, das einerseits Sammlung und Konzentration, andererseits ein wachsames Hinhören, Hinschauen, usw. auf die Umwelt voraussetzt. Ich finde es faszinierend und habe es oft mit Studenten und Improvisationsgruppen an verschiedenen Orten ausgeführt. Hier wollen wir uns nicht mit der vielschichtigen Problematik seiner musikalischen Umsetzung beschäftigen, sondern nur mit den ersten zwei Anweisungen, die mir für das Thema „eigene Zeit“ relevant zu sein scheinen.

* "Think of, imagine, devise a pulse…" Eine in der experimentellen Musik des letzten Jahrhunderts häufig anzutreffende Instruktion, dass man in sich hinein hören und einen eigenen „Takt“ etablieren soll (wie so Vieles aus diesem Bereich, ist auch dieser Themenkomplex wieder aus der neuen Musik so ziemlich verschwunden). Doch Wolff belässt es nicht dabei:

* "When you hear a sound or see a movement… whose location in time you can sense, and its occurrence coincides, at some point, with your pulse…" Also, es geht nicht darum, einen (solipsistischen) Eigenrhythmus zum Besten zu geben, und es geht auch nicht darum, sich einfach an das Auftreten von Umweltereignissen dran zu hängen; vielmehr kann/soll Musik sich nur an den Momenten entfalten, wo die beiden Zeitraster übereinstimmen, der des selbstbestimmten Takts, und der der fremdbestimmten Umweltereignisse.

Solche Schnittstellen sind nicht nur bei der Ausführung von Looking North manchmal recht rar, sie sind es auch im Alltagsleben. Wie oft erleben wir es (noch), dass etwas genau zum (subjektiv) richtigen Zeitpunkt passiert? (Vorausgesetzt, dass wir überhaupt noch imstande sind, auf solche „begnadeten“ Momente zu achten). Ich glaube, die Beschäftigung mit solchen Schnittstellen könnte dazu beitragen, die Dichotomie zwischen fremdbestimmter und selbstbestimmter Zeit (an der die Diskussion um das Recht auf eigene Zeit noch zu hängen scheint) zu hinterfragen. Let's be looking North!

Albert Mayr

zum Seitenanfang
 
 
Der »Pfad der Muße & Erkenntnis« 19. 08. 2009
 

Eingang »Pfad...«Das Zeitpolitische Prisma wünscht mit diesem Beitrag allen Lesern eine erholsame Urlaubszeit.

»Erst wo wir nichts begehren, erst wo unser Schauen reine Betrachtung wird, tut sich die Seele der Dinge auf, die Schönheit. Wenn ich einen Wald beschaue, den ich kaufen, den ich pachten, den ich abholzen, in dem ich jagen, den ich mit einer Hypothek belasten will, dann sehe ich nicht den Wald, sondern nur seine Beziehungen zu meinem Wollen, zu meinen Plänen und Sorgen, zu meinem Geldbeutel. Dann besteht er aus Holz, ist jung oder alt, gesund oder krank. Will ich aber nichts von ihm, blicke ich nur gedankenlos in seine grüne Tiefe, dann erst ist er Wald, ist Natur und Gewächs, ist schön.« (Hermann Hesse)

An dieses Zitat von Hermann Hesse erinnerte ich mich, als ich kürzlich den »Pfad der Muße und Erkenntnis« kennen lernte.

Der „Pfad der Muße & Erkenntnis“ auf der Insel Rügen im Naturschutzgebiet Goor nahe Lauterbach, der von der Landschaftsökologin Steffi Deickert (www.natur-beruehrt.de) unter der Schirmherrschaft der Michael Succow Stiftung zum Schutz der Natur konzipiert und gestaltet wurde, ist ein solches Beispiel. Sich Zeit zu lassen bzw. Zeit zu geben gilt an diesem Ort nicht zuallererst für die Menschen, sondern ist hier vor allem das »Hausrecht« von Mutter Natur, genauer des Waldes »Die Goor«.

Abseits ablenkender Reize, die alltäglich auf uns einströmen und uns nicht wirklich Ruhe finden lassen, kommt der Wanderer zur Kontemplation und zum Genuss des Augenblicks. Wie in einer anderen Welt, denn hier gibt es nichts zu tun, außer sich auf die Natur und auf sich selbst einzulassen; die Natur und sich selbst zu spüren.

Die prächtigen alten Buchen, Hainbuchen, Eichen, Vogelkirschen und Bergahornen werden ihrer eigenen natürlichen Dynamik überlassen. Erlebt werden kann auf langen Wanderwegen nicht nur der Wandel des Waldes im Rhythmus der Natur, sondern auch Zeit-Geschichte mit Kultur- und Naturdenkmalen, wie beispielsweise den bronzezeitlichen Hügelgräbern, dem Hudewald oder der uralten »Schirmeiche«. Auf dem »Pfad der Muße & Erkenntnis« soll man sich Zeit nehmen, ja er verführt geradezu, ausgiebig Zeit zu »verschwenden« und müßig zu gehen. Achtsam und bewusst zu gehen, zu staunen und mit allen Sinnen die Schönheit und Urwüchsigkeit der Natur wahrzunehmen. Es geht hier auch gar nicht anders, muss man schnell feststellen. Das Meeresrauschen, das Rascheln der Blätter im Wind, den Wald förmlich er-riechen und seine grazilen Formen der Schönheit erblicken, all diese Wahrnehmungen ergeben sich erst »Im-sich-Zeit-lassen«.

Die Goor ist eine äußerst selten gewordene Landschaft, die noch unverändert von Menschenhand bestehen darf, in der der Wald seine Entfaltung findet und alt werden kann. Und genau aus diesem Grund ist es eine schöne Landschaft – es ist die Ästhetik der wahrhaft schönen Natur, auf die man trifft. Zukünftig soll hier eine werdende Wildnis entstehen, in der der Wald für seine Entfaltung wieder Zeit haben darf. Beobachtbar werden für den aufmerksamen Betrachter das fortwährende Werden und Vergehen des Waldes, denn alles, ob abgebrochene Äste oder umgestürzte Bäume, verbleibt hier als natürlicher Lebensraum, als ein Geschenk der und an die Natur, an seinem Ort.

Wir Menschen sehnen uns nach Lebensfülle. Diese besteht nicht aus der Fülle möglichst vieler meist zusammenhangloser Events und massenhaften Konsumgütern, sondern in der Natur, wenn sie Natur sein darf, d. h. ihr Raum und Zeit gegeben wird. Ein wirklicher Naturwald, der natürlich alt werden darf, macht uns erst den wahren Reichtum des Lebens deutlich. Ein Weniger ist ein Mehr.

SchirmeicheDiese »grüne Tiefe« des Waldes ist zugleich die Tiefe, die uns zu unserem Inneren führt, die uns zu uns selbst finden lässt, die anregt zum Innehalten und zur Muße. Es ist nicht nur das Äußere der schönen Natur, denn wenn man auf dem »Pfad der Muße & Erkenntnis« wandelt, erwacht auch die eigene innere Welt, wie Gedanken, Empfindungen, Träume und Phantasien. Der Wald kann den Anstoß geben, diese in Gang zu bringen.

Der Weg entlang des Pfades führt vorbei an einzelnen, durch Findlinge gekennzeichneten Stationen. Hier erfährt der Wanderer anhand einer Begleitbroschüre Stimmungsvolles und Wissenswertes. Über zwei besonders eindrucksvolle Stationen möchte ich kurz berichten. Taucht plötzlich mitten im Wald auf einer Lichtung die alte ca. 600-jährige »Schirmeiche« auf, erfüllt es einem mit kindlichem Erstaunen, aber auch mit tiefer Erhabenheit gegenüber dieser alten wahrhaftig schönen Dame, die eine Geschichte von Jahrhunderten erzählt, wenn man ihr nur achtsam »zuhört«. Und wenn man an der Station »Ein Caspar-David-Friedrich-Blick« direkt am Wasser steht, über den Greifswalder Bodden und hinüber zur Insel Vilm schaut, wird man selbst zum Romantiker, wie es einst der große Maler höchst persönlich war.

Die Goor ist ein Ort der Muße und des Nachdenkens über die Natur und über uns selbst. Es sind die Wege dieses naturwüchsigen Ur-Waldes selbst, die man schreitet und die nachdenklich werden lassen. Naturerfahrungen können zur Erkenntnis führen, dass unser Sinn des Lebens und das Gute im Leben nicht im Schneller und Mehr zu finden sind, sondern im Langsamer und Nachhaltiger.

Elke Großer

zum Seitenanfang
 
Der Mensch und sein Zeitalter 08. 06. 2009
 

Dampfende KühltürmeJahre kommen und gehen, die der Mensch im eigens von ihm geschaffenen Kalender zählt.

Jedoch nicht nur Jahre, Monate, Wochen und Tage finden ihre zeitliche Einteilung, sondern die gesamte Natur- und Menschheitsgeschichte wird in zeitlichen Phasen kategorisiert.

Die Geschichte unseres blauen Planeten zählt sage und schreibe ca. 5.000 Millionen Jahre und verändert und entwickelt sich seitdem nach naturgesetzlichen Rhythmen pflanzlichen wie tierischen Lebens.

Erst vor etwa 150.000 Jahren, im Zeitalter des sogenannten Pleistozän, betritt der Mensch die Bühne des Erdgeschehens. Das menschliche Leben im Pleistozän ist geprägt durch die Anpassung des Menschen an die Gesetzlichkeiten und Gegebenheiten der Natur. Im Holozän, dem darauffolgenden Zeitalter, wird der Mensch sesshaft. Er eignet sich Natur an, in dem er sie umgestaltet und für sich nutzt, d.h. direkt ins natürliche Geschehen eingreift, aber im Gleichklang natürlicher Rhythmen lebt.

Seit Jüngstem diskutieren Geologen den Eintritt eines neuen Zeitalters, das des Anthropozäns, welches rückblickend Ende des 18. Jahrhunderts mit den ersten Industrialisierungsbestrebungen des Menschen begonnen haben dürfte. Der Begriff »Anthropozän« geht auf Paul Crutzen, den Nobelpreisträger für Chemie, zurück und wird im Buch von Eckart Ehlers: »Das Anthropozän« eingehend und anschaulich diskutiert.

Bestimmte bis dahin der Rhythmus der Natur den Lauf der Erde und des Lebens, zwingt seitdem der Mensch der Natur seinen ökonomischen und kurzfristigen Takt auf, mit Langzeitfolgen. Der Mensch entfremdet sich, wie man weiß, immer mehr von den natürlichen Grundlagen seiner Existenz. Er hat die »Gewaltherrschaft« über die Natur übernommen und diese erfolgreich »besiegt«. Die Mensch-Umwelt-Beziehung hat sich umgekehrt. Nicht das natürliche Werden und Vergehen hinterlässt seine Spuren auf unserer Erde, sondern der Mensch. Einmal als wahrnehmbare und sichtbare Veränderungen, wie die Zerstörung von Naturlandschaften durch radikale Waldrodungen, Begradigung von Flüssen, Rauch- und Rußbelastungen durch Industriezentren, usw.

Viel schwerwiegender wirken die für den Menschen nicht wahrnehmbaren, eher schleichenden und kaum vorhersehbaren Beeinflussungen der Natur. Dazu gehören Industrieabwässer, eingesetzte Chemikalien in der Landwirtschaft und Abgase von Industrie und Verkehr, die sich scheinbar in »Luft auflösen«. Welchen Wochenendtouristen stört z. B. schon der Kerosinausstoß des Flugzeuges, wenn er mal schnell am Wochenende in Mallorca seinen Alltagsstress los werden möchte? Gerade diese schleichenden menschlichen Einwirkungen erweisen sich heute und zukünftig als Umweltkatastrophen, wie der globale Temperaturanstieg und damit verbunden das Schmelzen der Eisschilde mit Meeresspiegelanstieg und zunehmenden Stürmen.

Langzeitwirkungen und Folgen der vom Menschen beeinflussten und veränderten Natur liegen heute nicht fern in der Zukunft. Die ökologische Zeitfalle hat längst schon zugeschnappt. Der Mensch ist nicht mehr nur Verursacher, sondern auch gleichzeitig Betroffener des Klimawandels, des Temperaturanstieges z.B. in Form von Rückwirkungen klimatischer Veränderungen auf die menschliche Gesundheit, wie die extreme Zunahme von Allergien, Hautkrebs u.a.

Der Mensch ist damit zum sogenannten »ökologischen Faktor« geworden. Seine Eingriffe in die natürliche Umwelt und die beschriebenen dramatischen Auswirkungen für Mensch und Natur gehen tatsächlich überwiegend auf das Konto menschlichen Handelns, das zeigen verschiedene Untersuchungen.

Zeitpolitische Konsequenz: Wir sollten uns sich unserer Zeit, unseres Zeitalters und der damit entstandenen Verantwortung unseres Tuns gegenüber der natürlichen Umwelt und der aktuellen Tragik noch viel stärker bewusst werden als bisher. In einer äußerst extrem kurzen Zeit hat der Mensch es geschafft, das über Millionen von Jahre gewachsene Ökosystem der Erde nachhaltig zu zerstören und die Beschleunigung und Verdichtung dieser zerstörenden Umweltveränderungen nehmen ein bedrohliches Ausmaß an.

Dazu beigetragen hat v. a. ein kurzfristiges auf schnellen Gewinn und Konsum gesetztes Denken und ein den natürlichen Rhythmen entfremdetes Leben. Ein Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit ist dringest nötig. Nachhaltige Entwicklung nimmt auf die Zeitzyklen der Natur Rücksicht und lässt der Natur Zeit zur Regeneration, ohne sie zu zerstören. Grober zitiert dieses Prinzip als: »Langsamer, weniger, besser, schöner.«

Missmutig stimmt an dieser Stelle, dass in einer heutigen Zeit der Wirtschaftskrise die Chance auf politischer Seite zum Umdenken nicht genutzt wird, stattdessen erhalten Banken und Autokonzerne Milliarden und die natürliche Umwelt als unsere eigentliche Lebensgrundlage bleibt dabei wieder einmal auf der Strecke und muss weiter um ihr Überleben kämpfen, dem Abgrund nahe.

Elke Großer

zum Seitenanfang
 
»Double your time« 04. 05. 2009
 

Seine Zeit verdoppeln, wer möchte das nicht?

Wer wünschte sich noch nie, dass der Tag mehr als 24 Stunden hätte oder am liebsten gleich doppelt so viele Stunden, um all die Dinge zu erledigen, die täglich auf den Einzelnen zukommen, um allen Anforderungen in allen Lebensbereichen möglichst gerecht zu werden oder all die vielfältigen Möglichkeiten zu nutzen, die geboten werden? Wer kennt nicht am Abend das Gefühl, nicht all das geschafft zu haben, was getan werden sollte? Möglichst viel und gleichzeitig aus einem Tag, einer Woche, einem Jahr und aus der ganzen Lebenszeit herauszuholen, das ist die Maxime.

Gibt es Lösungen? - Ja, die gibt es!?

Mit modernen portablen Geräten, wie I-Pod’s, Blackberry’s, den neuen E-Book-Readern, WLAN und den dazugehörigen Softwarelösungen, wie E-Books oder E-Learning-Angeboten wird dem spätmodernen Menschen versprochen, mehr aus seiner Zeit herauszuholen, sie wirklich effektiv zu nutzen und nicht z.B. die Mittagspause »sinnlos« zu verschwenden.
So lautet der Werbeslogan von Hörbüchern des Campus-Verlages »Double your time«. Andere Hörbücher werben damit, dass man sich gleichzeitig zur täglichen Routine, wie z.B. bei der Hausarbeit auf effiziente Art und Weise weiterbilden kann, ohne die Arbeitszeit oder Freizeit opfern zu müssen. Gemäß der Internet-Präsenz der LEARNTEC 2009 kann man seine Zeit »morgens in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit«, »in der Mittagspause« oder »am Abend bei einem Drink in der Bar« effektiv und sinnvoll nutzen, um mobil zu lernen - immer und überall.

Sie gibt es schon, die »Simultanten«, die Karlheinz A. Geißler in seinem Buch »Alles. Gleichzeitig. Und zwar sofort« beschreibt.

Sie sitzen in den »Hotspots-Cafe’s« und starren auf ihre Laptops während sie gleichzeitig ihren Caffe Latte, Espresso oder Cappuccino schlürfen und nebenbei ein Schwätzchen machen.

Auf Bahnreisen findet man kaum noch einen Menschen, der einfach nur aus dem Fenster schaut. Zugegeben, ICE’s sind zu schnell, um die vorbeirauschende Landschaft genießen zu können. Laptops, Mp3-Player, klingelnde Handys gehören zur Standardausrüstung der Unterhaltung und Arbeit auf Reisen.

Junge Muttis schieben Kinderwagen mit Kopfhörer in einem Ohr, das Handy am anderen; hörend und erzählend zu einem Irgendwem, ohne direkten kommunikativen Kontakt zu ihrem im Wagen sitzenden Kleinkind.

Die Prämisse der Spätmoderne heißt nicht nur Beschleunigung, um mehr aus seiner Zeit herauszuholen, sondern am besten tun wir alles gleichzeitig. Sich konzentriert einer Sache zu widmen, ob Hausarbeit, Kochen, Kaffee trinken o. ä. und nicht nebenbei SMS zu schreiben, Musik zu hören, zu chatten oder lernen, wirkt schon fast antiquiert und gilt als Verschwendung von Zeit. Auszeiten des Alltages und die Pausenkultur verkommen zur »Nicht-Pause«. Unsere Gesellschaft ist eine pausenlose Gesellschaft geworden. Statt Pausen als eine freie Zeit und als erholsame Unterbrechung der schellen Alltagsroutine, als Muße zu erfahren, entsteht der Zwang durch die unterschiedlichsten Medien- und Lernangebote Zeit pausenlos zu nutzen - immer und überall.

Elke Großer

zum Seitenanfang
 
Schneller geht’s nicht? Oder doch? 09. 03. 2009
 

Hatte Ulrike Schraps nicht erst im letzten Zeitpolitischen Magazin (Nr. 13, Dez. 2008) »Zeit-Not« unter dem Titel »Muss ich immer alles müssen, was ich kann« einerseits über mediale Vorbilder moderner Mütter, die immer mühelos und perfekt Familie und Beruf in Einklang bringen und andererseits über Segen und Fluch der Vereinbarkeit beider Lebensbereiche in der tatsächlichen Alltagspraxis von Müttern diskutiert? So hat das Wettrennen unserer Super-Karrieremamis jüngst einen neuen Höhepunkt erreicht. Dabei lautet das Ziel: Wer ist am schnellsten wieder fähig, nach der Geburt hundertprozentig in den Beruf einzusteigen?
Im Januar hat Frankreichs Justizministerin Rachida Dati vorgelegt. Nur fünf Tage nach einer Kaiserschnittgeburt ihrer Tochter marschierte sie zielstrebig - topfit und topschick - zurück zu ihren Amtsgeschäften, mit der Bemerkung, eine Schwangerschaft sei keine Krankheit.
Nein, Krankheiten sind Schwangerschaft und Geburt nun wirklich nicht. Beides sind natürliche Vorgänge, ein natürliches Werden und Wachsen sowohl für die Mutter als auch ihr Kind. Wie man weiß , benötigen natürliche Vorgänge ihre eigene Zeit und haben ihre eigenen Rhythmen, das scheint Frau Dati vergessen zu haben. Das geborene Kind als ein unfertiges menschliches Wesen bedarf bis zur fertigen Entwicklung vor allem unserer Liebe, enger Zuwendung und Umsorgung. Ein Kind braucht anders ausgedrückt also vor allem eins - Zeit.
Dieses Recht auf eine eigene Zeit zum Schutze für Mutter und Kind wurde einst von Frauenrechtlerinnen als ein festgeschriebenes modernes Recht im Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter erkämpft. In diesem Kampf ging es Anfang des 20. Jahrhunderts unter anderem um die Aufwertung der Zeiten der Mutterschaft als einen Wert an sich. Um eine Zeit, die gesellschaftliche Anerkennung findet und entsprechend honoriert wird. Frauen, die es wünschten, sollten sich ganz ihren Kindern widmen können.
Denn für eine Mutter gibt es nichts Schöneres, als sich viel Zeit für das eigene geborene Kind zu nehmen. Ich selbst als zweifache Mutter erinnere mich sehr gern an diese glücklichen zeitlosen Momente. Ja, ich hatte sie, diese Zeit, ich habe sie mir genommen und habe sie intensiv erlebt, ohne es zu bereuen. Und auch den Vätern sollten diese wichtigen Zeiterfahrungen nicht vorenthalten werden.
Postmoderne Frauen kämpfen heute immer noch um eine gleichberechtigte Anerkennung. Dieser Kampf gestaltet sich allerdings immer mehr zu einem Karriere- bzw. Machtwettlauf mit der Zeit, denn Frauen kämpfen nicht mehr um die Anerkennung eigener selbstbestimmter Zeiten, sondern rennen immer öfter den Zeiten der Ökonomisierung hinterher. Und nur wer am schnellsten ist, gewinnt. Dabei vergessen Frauen gelegentlich, dass es im Kampf um Gleichberechtigung um eine gute Balance zwischen Zeiten des Berufes und der Familie geht. Beruflich sehr eingespannte Männer bereuen im Übrigen oft im Nachhinein, dass sie nicht mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und nicht intensiver an ihrer Entwicklung teilhaben konnten.
Zum Schluss noch eines: Gewinnen können Frauen dieses Wettrennen nur, wenn sie ihre Kinder direkt am Arbeitsplatz gebären, um gleichzeitig weiter zu arbeiten. Dann wäre allerdings der Kampf um das Recht eigener gesellschaftlich anerkannter Zeiten vor allem für Frauen und ihr Neugeborenes vollkommen verloren.

Elke Großer

zum Seitenanfang
Weihnachtszeit – Paketzeit 22. 12. 2008
 

Besonders in der Vorweihnachtszeit haben Post und andere Zusteller alle Hände voll zu tun. Omas und Opas, Tanten und Onkels wollen ihren Verwandten Gutes tun und schicken selbstgebackene Plätzchen und andere Gaben an ihre Lieben. Auch bestellen wir immer öfter unsere Geschenke zum Weihnachtsfest im Internet, bei Ebay, Quelle, Amazon und sonst wo.
Ja und dann warten wir voller Spannung und Vorfreude auf unsere Pakete, die da in Deutschland und mittlerweile in aller Welt unterwegs sind.
Dank der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien haben Absender und Empfänger jederzeit die Möglichkeit ihre Sendungen genau zu verfolgen, an welchem Ort sie wann unterwegs sind. Und das erfahren wir sogar minutengenau - wann wurde das Paket übergeben, wann ist es z.B. in Berlin angekommen und wann ist es dort wieder weitergegangen. Wir können sehen, dass sich die Zustellerfirmen wirklich große Mühe geben und 24 Stunden am Tag für unsere Pakete unermüdlich da sind. Denn selbst nachts kommt unser Paket irgendwo an und reist nach kurzer Zeit wieder weiter.
Wir sind zu jeder Zeit darüber unterrichtet, dass unser Paket termingerecht unterwegs ist. Ja sogar, wann es planmäßig zugestellt wird. So können wir schon mal an der Haustür voller Freude warten. Und schummeln ist nicht mehr drin! Denn auch Oma ist jetzt ganz genau darüber informiert, dass ihre Plätzchen pünktlich angekommen sind und wird kein zweites Paket mehr an uns absenden, da das erstere angeblich abhanden gekommen ist.
Schade, wenn die Post nur noch an 5 Tagen in der Woche Sendungen zustellen will. Dann muss so manches Paket irgendwo länger verweilen und wir länger darauf warten.

Elke Großer

zum Seitenanfang
 
 
Logo DGfZP
Geschäftsstelle: Prof. Dr. Dietrich Henckel
Technische Universität Berlin
Institut für Stadt- und Regionalplanung
FG Stadt- und Regionalökonomie
Hardenbergstraße 40a · 10623 Berlin
Tel.: 030 / 314 280 89 (Sekretariat C. Eichhorst)
Fax: 030 / 314 281 50
d.henckel@zeitpolitik.de